Wie sollte die Heftführung im Zeitalter der Digitalisierung an Schulen in Zukunft aussehen?

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Alle grundlegenden Veränderungen der digitalen Transformation in Schulen erfordern auch ein Umdenken hinsichtlich der Erfassung von Unterrichtsinhalten im Sinne einer digitalen Heftführung. Die Flexibilität der digitalen Heftführung erlaubt es, die Inhalte wesentlich freier zu gestalten als es bei herkömmlichen Mappen und Heften möglich ist. Damit stellt sich auch die Frage, ob das Verhältnis von Aufzeichnung und Ordnung eine andere sein muss und ob die Handschrift erhalten bleiben sollte oder ob man in Zukunft nur noch tippt.

Handschrift oder tippen?

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Denkprozesse im besonderen Maße unterstützt werden, wenn dort die Handschrift zum Einsatz kommt (Marianella Diaz Meyer, Schreibmotorik Institut). Handschriftliche Notizen anzufertigen, kann also einen erheblichen Vorteil gegenüber getippten Notizen haben. Das Schreiben mit der Hand ist immer ein komplexer Vorgang für das Gehirn, da feinmotorische Fähigkeiten mit denen des Lernens gekoppelt werden. Auch im beruflichen Kontext kann die Handschrift agile Prozesse effektiver gestalten, so Diaz Meyer. ^bc7613

Apps wie Good Notes5 oder Notabilty eigenen sich besonders gut zur Anfertigung von handschriftlichen Notizen.

folgende Arten von Notizen sollten Beachtung finden

Flüchtige Notizen

 

  • dienen nur der Gedächtnisstütze
  • werden nicht aufbewahrt
  • können in jeder beliebigen Art, Weise und Form erstellt werden

 

Dauerhafte Notizen

 

  • werden dauerhaft verständlich ausformuliert und durchdacht verfasst
  • werden niemals weggeworfen und
  • werden immer auf die gleiche, standardisierte Art am selben Ort, nämlich entweder als Lektüreextrakte in der Literaturverwaltung oder als Zettel im Zettelkastenaufbewahrt
  • werden in ein Spaced Repetition System wie Anki eingepflegt, mit dem man durch clevere Algorithmen in der Systematik der programmgestützten Abfrage, Vokabeln oder Formeln lange im Gedächtnis speichern kann

 

Projektbezogene Notizen

 

  • dienen zur Gedächtnisstütze für Projektfragen
  • werden nur so lange aufbewahrt, wie ein Projekt dauert und
  • werden, in welcher Form auch immer, im jeweiligen Projektordner aufbewahrt und archiviert
 

Welche Programme eigenen sich nun für das Erfassen von Notizen in der Schule?

An erster Stelle sollte die Programme GoodnotesNotablity oder OneNote zur handschriftlichen Erfassung von Notizen während des Unterrichts stehen. Das digitale Erfassen von Notizen sollte allerdings erst ab Klasse 8 erfolgen, da die Aufmerksamkeit und der Fokus auf dem zu schreibenden liegen sollte. Hier könnte ein IPad mit den vielen Apps ablenkend wirken.

An zweiter Stelle sollte ein Notizenprogamm bzw. LMS System stehen mit denen Projekte erfasst werden können. Es sollte an Abgabetermine erinnern, eine Datenbankstruktur ermöglichen und kollaboratives Zusammenarbeiten mit mehreren SuS ermöglichen. Hier ist an erster Stelle OneNote mit seinen Kursnotizbüchern zu nennen. Aufgrund der Datenschutzproblematik, die bis dato ungeklärt ist, wäre Moodle in Kombination mit Mahara eine sichere Alternative. Allerdings schätze ich die Lösungen nicht als intuitiv ein, da sie nicht meiner Vorstellung von intrinsischem Workflow entsprechen.
Mein Favorit ist die noch etwas unbekannte Softwarelösung Hypernotes. Sie bringt alles mit, was man von einer modernen projektorientierten Notizensoftware erwarten sollte und sie kommt zudem aus Deutschland.

An dritter Stelle steht Anki mit dem man Inhalte in digitaler Form von Karteikärtchen wunderbar in das Langzeitgedächtnis überführen kann. Diese Art des Lernens ist bewährt und sie findet in der Software Anki seinen angemessenen Partner.

An letzter Stelle steht das wohl komplexeste System des digitalen Zettelkastens, das mit der Software Obsidian seine beste Umsetzung erfährt. Hier können Aufzeichnungen in magischer Art und Weise in Bezug gebracht werden. Ich werde von meinen eigenen Aufzeichnungen immer wieder überrascht und das kreative Moment, das danach erfolgt, sucht aktuell seines Gleichen. Ich würde es als zweites digitales Gehirn bezeichnen. Aus meiner Sicht ein Programm, das in der Oberstufe und der Universität verpflichtend sein sollte.

Warum es auch als Schüler wichtig ist, Texte und Projekte öffentlich zu machen

Wer intrinsisch motiviert den Drang hat, stets etwas Schriftliches zu veröffentlichen und diesen Drang als Forschung begreift, der wird sich nie die Frage stellen, was und wozu er lernen soll, sondern dabei lernen. Aus diesem Grund sollte das Ziel auch in der Schule sein, Projekte in schriftlicher Art zu veröffentlichen. Ein strukturiertes Aufzeichnen von Notizen in Projektphasen ist der Schlüssel dazu.

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