Kann ein Tablet für Lehrkräfte ein produktiver Begleiter im Schulalltag der Zukunft sein?

Unsplash : Kelly Sikkema

tZur Person Jochen Leeder und dessen Blick auf die aktuelle Situation hinsichtlich der Entwicklung eines digitalen Lernraums an Schulen

Aktuell bin ich Leiter am Regionalen Medienzentrum Gießen Vogelsberg. In dieser Funktion stehen aktuell folgende Themen im Focus meiner Aufmerksamkeit:

  • Homeschooling
  • Fortbildung der Lehrkräfte im Bereich Medienkompetenz
  • Beratung zur Erstellung von Medienbildungskonzepten an Schulen
  • Beratung zur Einführung von IPad – bzw. Tablet Klassen
  • Beratung zur Einführung von digitalen Lehrmaterialien in der Schule
  • Unterstützung bei der Durchführung von “Digital gestützten” Projekten an Schulen.

Mit dem durch Corona beschleunigten digitalen Wandel sind neue Aufgaben hinzugekommen. Der klassische Medienzentrumsleiter, der DVD´s über die Theke schiebt, gehört lange der Vergangenheit an. Schulen entwickeln sich aktuell zu digitalen Lernräumen und diesem Wandel muss auch von meiner Seite Rechnung getragen werden. Ein medienkompetenzorientierter, offener und digitaler Lernraum wird, so hoffe ich, das Modell der Zukunft an Schulen sein.

IT-Beauftrage an Schulen werden möglicherweise in Zukunft zu digitalen Lernraumberatern, welche im Zusammenspiel mit der Schulleitung und dem pädagogischen Personal auf der Grundlage von Bildungsstandards zur digitalen Bildungslandschaft an der eigenen Schule beitragen. Die Aufgaben des digitalen Lernraumberaters sind vielfältig. Sie reichen von der Administration der digitalen schulischen Infrastruktur, über die Einbindung der digitalen Medienbildungslandschaft im Unterricht bis hin zur Anbindung der bestehenden Lehr-/ und Lernmitteln selbst. Die Anbindung an die bestehende Schul-IT und -Netzwerke wird entscheidend für die Umsetzung des digitalen Lernraums sein.

Das Tablet als ein wichtiges Werkzeug im Unterricht hat zur Folge, dass es nicht mehr ausreichend ist, die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler lediglich in den Bereichen Hardware & Software zu unterstützen. Smartphones & Tablet für die Schüler*innen werden ebenfalls in den Unterricht eingebunden. Ein digitaler Lernraum ist immer nur so gut wie seine Nutzer selbst. Dieser und das Tablet als Werkzeug sind keine isolierte Angelegenheit, sondern müssen aktiv in die Medienbildungslandschaft der Schule eingebunden werden.

Die Schulleitung spielt bei der Planung und Umsetzung des digitalen Lernraums an der Schule eine entscheidende Rolle. Im ersten Schritt geht es darum, eine gemeinsame Haltung mit dem pädagogischen Personal und der Schulgemeinde zu einer Idee einer neuen Bildungslandschaft der eigenen Schule zu entwickeln. Dazu gehören im Rahmen von Öffnung der Schule auch externe Partner, Lernmittelhersteller und Berater.

Infolgedessen sind auch neue personelle Ressourcen für den Einsatz von sogenannter Tablet – Klassen und der damit erforderlichen Schulung der Lehrteams notwendig, um der digitalen Bildungslandschaft an der Schule gerecht zu werden.

Die Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter in einem neuen Lernraumkonzept wie es an pädagogischen Leuchtturmschulen wie der Allemannenschule in Wutöschingen oder an der Richtsbergschule in Marburg bereits gelebt wird, werfen ein neues Bild auf die Schule der Zukunft und die Werkzeuge zur Umsetzung dieser neuen Konzepte.

Alle diese grundlegenden Veränderungen erfordern auch ein Umdenken hinsichtlich der Erfassung von Unterrichtsinhalten im Sinne einer digitalen Heftführung und der Begleitung von Projekten und Lerninhalten durch Lernmanagementsysteme. Die Flexibilität der digitalen Heftführung erlaubt es, die Inhalte wesentlich freier zu gestalten als es bei herkömmlichen Mappen und Heften möglich ist. Damit stellt sich auch die Frage, ob das Verhältnis von Aufzeichnung und Ordnung eine andere sein muss und ob die Entwicklung der persönlichen Handschrift erhalten bleiben sollte oder ob man in Zukunft nur noch tippt.

 

Handschrift oder tippen?

 

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Denkprozesse im besonderen Maße unterstützt werden, wenn dort die Handschrift zum Einsatz kommt (Marianella Diaz Meyer, Schreibmotorik Institut). Handschriftliche Notizen anzufertigen, kann also einen erheblichen Vorteil gegenüber getippten Notizen haben. Das Schreiben mit der Hand ist immer ein komplexer Vorgang für das Gehirn, da feinmotorische Fähigkeiten mit denen des Lernens gekoppelt werden. Auch im beruflichen Kontext kann die Handschrift agile Prozesse effektiver gestalten, so Diaz Meyer.

Apps wie Good Notes5 oder Notabilty eigenen sich besonders gut zur Anfertigung von handschriftlichen Notizen.

Lehrkräfte und Schulleitungsmitglieder sollten aus den genannten Gründen immer ein Tablet mit Stift nutzen, nicht zuletzt wegen der Korrektur von Schülerarbeiten.

 

Cloud oder Lokal?

 

In der It – Sprache könnte man auch sagen SaaS (Software as a Service = Cloud) oder on premise = Software die Daten lokal auf dem Gerät ablegen kann. Diese Frage wird aktuell mehr denn je vor dem Kontext des Datenschutzes bzw. der DSGVO geführt. Ich wage noch eine weitere Diskussion anzuzetteln nämlich die aus der Sicht des Lernenden, der irgendwann die Schule verlässt und seine produzierten Inhalte und Projekte (Daten) mitnehmen möchte. In einem SaaS System bindet man sich oft an ein aufgezwungenes Dateisystem, das mir nicht die Möglichkeit gibt, frei zu entscheiden, wie ich mit den Daten weiterarbeiten möchte. Es sollte aus diesem Grund zwingend darauf geachtet werden quelloffene Dateiformate zu nutzen, die auf Klartext (.txt .md) beruhen oder den Export ins PDF Format ermöglichen. Tablets nutzen systembedingt eher Apps, die gerne auf SaaS aufsetzen und dies aus gutem Grund, schließlich ist das kollaborative Arbeiten in Gruppen ein Schlüssel zu mehr vernetztem Denken.

Trotzdem sollte man darauf achten das seine Daten DSGVO konform gespeichert werden und man die Daten wie vorher beschrieben exportieren kann. Tablets bieten, wie Laptops die Möglichkeit Daten auch lokal und falls es sich um personenbezogene Daten handelt diese auch auf dem Gerät mit Lösungen wie Boxcryptor zu verschlüsseln. Gerade Tablets bieten oft die Möglichkeit durch Pin Codes oder biometrische Verfahren Daten vor fremdem Zugriff zu schützen.

Cloud oder Lokal? Beides hat seine Berechtigung und beides ist auf einem Tablet möglich.

 

Kann man in der Schule mit einem Tablet produktiv arbeiten?

 

Um diese Frage nachhaltig beantworten zu können lohnt es sich, sich kurz mit dem Thema Produktivität zu beschäftigen. Digitale Endgeräte geben uns durch ihr Notifikationssystem, das nach unserer Aufmerksamkeit buhlt, oft das Gefühl ständig beschäftigt zu sein. Dass wir aktiver und geschäftiger sind, bedeutet jedoch nicht, dass wir auch mehr leisten. Die ständige Suche nach neuer Stimulierung verleiht uns das Gefühl von Produktivität, weil wir ständig etwas tun.

Produktivität bedeutet, das zu erreichen was man sich vorgenommen hat und nicht noch mehr in den Tag zu packen, sondern in jedem Moment das Richtige zu tun.

Tablets können zu beidem führen zu mehr Produktivität aber auch zu mehr Ablenkung.

Was ist nun entscheidend für mehr Produktivität:

  1. Alle notwendigen Apps für den Schulalltag sollten installiert sein
  2. Private Notifikationen die mich Ablenken alle ausschalten!
  3. Sich vor dem Schulbeginn fragen woran ich erinnert werden möchte
  4. Vor und Während des Schultages alles aufschreiben was wichtig ist und was ich nicht vergessen möchte
  5. Eine gute und langfristige Terminplanung

Produktivität in Verbindung mit einem Tablet im Schulalltag bedeutet nicht, wirklich alles auf diesem Gerät machen zu können, sondern das zu tun was man sich für diesen Schultag vorgenommen hat. Natürlich setzte ich hierbei voraus, dass eine hochverfügbare Wlan Infrastruktur in der Schule existiert und sie mit Ihren Geräten drahtlos präsentieren können. Von daher kann ich die Frage, ob ein Tablet ein produktiver Begleiter im Schulalltag sein kann, mit „Ja“ beantworten. Es gibt aber wie vorab im Text beschrieben viele Dinge, die man beachten sollte.

 

Fazit:

Am Ende des Tages ist ein Tablet ein Gerät, das Sie unterstützen soll, Schüler beim Lernen zu begleiten. Der Raum Schule wird in Zukunft ein anderer sein. Schüler werden möglicherweise nicht mehr im Klassenverband unterrichtet, sondern sich an einem anderen Ort befinden, an dem sie sich besser fokussieren können. Sie werden sich zu diesen Orten bewegen, wo auch immer diese sind. Dabei da ist es wichtig, dass die Geräte leicht sind und eine lange Akkulaufzeit haben.

Vielleicht sorgt die Pandemie auch dafür darüber nachzudenken, ob Schüler jeden Tag in der Schule sein müssen oder an einem anderen Lernort. Ich würde mir wünschen, dass wir weniger über Geräte diskutieren und mehr darüber, wie wir in Zukunft Leben, Lernen und Arbeiten möchten.

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